Der Primärenergiebedarf beschreibt die gesamte Energiemenge, die für den Betrieb eines Gebäudes aufgewendet werden muss — einschließlich der Verluste bei Gewinnung, Umwandlung und Transport des Energieträgers. Er geht damit über das hinaus, was im Gebäude ankommt. Genau deshalb ist er die maßgebliche Größe im Gebäudeenergiegesetz: Er bewertet nicht nur, wie sparsam ein Gebäude ist, sondern auch, wie aufwendig die genutzte Energie bereitgestellt wird.
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Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz
Kontakt035971 504-0 E-MailWie unterscheiden sich Nutz-, End- und Primärenergie?
Die Nutzenergie ist die Wärme, die tatsächlich in den Räumen ankommt. Die Endenergie ist die Menge, die dem Gebäude zugeführt wird — sie schließt die Verluste von Erzeuger, Speicher und Verteilung ein und steht auf der Abrechnung. Die Primärenergie ergänzt die gesamte Vorkette außerhalb des Gebäudes. Die Umrechnung erfolgt über Primärenergiefaktoren: Endenergie multipliziert mit dem Faktor des jeweiligen Energieträgers ergibt die Primärenergie. Diese Kette erklärt, warum zwei Gebäude mit identischem Wärmebedarf sehr unterschiedlich bewertet werden können.
Die drei Stufen
- Nutzenergie: die im Raum tatsächlich benötigte Wärme
- Endenergie: die dem Gebäude zugeführte Menge einschließlich Anlagenverlusten
- Primärenergie: zusätzlich die Vorkette von Gewinnung bis Transport
- Umrechnung über den Primärenergiefaktor des Energieträgers
- Bewertungsgröße im Nachweis nach Gebäudeenergiegesetz
Wie beeinflussen die Faktoren den Primärenergiebedarf?
Jeder Energieträger erhält einen Faktor, der seinen Aufwand in der Vorkette abbildet. Erneuerbare Energien wie Umweltwärme, Solarthermie und Biomasse werden mit sehr niedrigen Faktoren bewertet, fossile Brennstoffe mit einem Faktor um eins, Strom im deutschen Netz mit einem Wert, der über die Jahre gesunken ist und weiter sinkt. Diese Bewertung hat unmittelbare Planungsfolgen: Eine Wärmepumpe kann trotz Stromverbrauchs eine deutlich bessere Primärenergiebilanz erreichen als ein Gaskessel, weil sie aus einer Kilowattstunde Strom ein Vielfaches an Wärme gewinnt. Wer den Nachweis führen muss, entscheidet über die Wärmeerzeugung deshalb früh.
Was den Primärenergiebedarf senkt
- Wärmeerzeugung mit hohem Anteil erneuerbarer Energien
- Gute Dämmung und luftdichte Gebäudehülle
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
- Kurze, gut gedämmte Verteilleitungen
- Eigenstromnutzung aus einer Photovoltaikanlage
Häufige Fragen zum Primärenergiebedarf
Warum wird nicht einfach die Endenergie bewertet?
Weil die Endenergie nichts darüber aussagt, wie aufwendig ihre Bereitstellung ist. Erst der Primärenergiebedarf macht Energieträger untereinander vergleichbar.
Wo steht der Primärenergiebedarf eines Gebäudes?
Im Energieausweis, meist zusammen mit dem Endenergiebedarf. Bei Bedarfsausweisen beruht er auf einer Berechnung, bei Verbrauchsausweisen auf gemessenen Verbräuchen.
Senkt eine Photovoltaikanlage den Primärenergiebedarf?
Ja, der im Gebäude selbst genutzte Strom wird angerechnet und verbessert die Bilanz. Der Umfang der Anrechnung ist im Gebäudeenergiegesetz geregelt.
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