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Nachhaltiges Bauen – Kriterien & Zertifikate

Nachhaltiges Bauen bezeichnet einen Planungs- und Bauansatz, der ein Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus betrachtet — von der Herstellung der Baustoffe über Nutzung und Instandhaltung bis zum Rückbau. Bewertet werden dabei drei Dimensionen gleichrangig: ökologische Wirkung, Wirtschaftlichkeit und soziokulturelle Qualität. Der Energieverbrauch im Betrieb ist dabei nur ein Teil der Rechnung; ebenso zählt die in den Materialien gebundene graue Energie. In Sachsen fragen vor allem institutionelle Bauherren und Kommunen zunehmend nach belastbaren Nachweisen statt allgemeiner Absichtserklärungen.

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Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz

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Welche Kriterien umfasst nachhaltiges Bauen?

Die ökologische Dimension betrachtet Ressourcenverbrauch, Treibhausgasemissionen und Flächeninanspruchnahme über den Lebenszyklus. Grundlage ist die Ökobilanz, die die Umweltwirkungen eines Gebäudes rechnerisch erfasst; die Datengrundlage für Bauprodukte liefern Umweltproduktdeklarationen nach DIN EN 15804. Die ökonomische Dimension fragt nach den Lebenszykluskosten, also nicht allein nach der Investition, sondern nach Betrieb, Instandhaltung und Rückbau. Die soziokulturelle Dimension bewertet Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit, Innenraumluft und gestalterische Einbindung. Erst zusammen ergeben die drei ein tragfähiges Bild.

Die Bewertungsdimensionen

  • Ökologie: Ökobilanz, Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch
  • Ökonomie: Lebenszykluskosten von Errichtung bis Rückbau
  • Soziokulturelle Qualität: Komfort, Barrierefreiheit und Innenraumluft
  • Technische Qualität: Dauerhaftigkeit, Rückbaubarkeit und Instandhaltbarkeit
  • Prozessqualität: Planungsverfahren, Dokumentation und Qualitätssicherung

Welche Zertifizierungssysteme gibt es?

In Deutschland sind vor allem drei Systeme verbreitet. Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen wird für Bundesbauten eingesetzt, die Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ist im gewerblichen und wohnwirtschaftlichen Bereich am weitesten verbreitet, international kommt daneben das britische System BREEAM zum Einsatz. Für den Wohnungsbau hat zusätzlich das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Bedeutung gewonnen, weil es an staatliche Förderprogramme gekoppelt ist. Allen gemeinsam ist: Die Zertifizierung muss früh in der Planung angelegt werden — nachträglich lässt sich ein Kriterienkatalog nicht mehr erfüllen.

Was sich in der Praxis umsetzen lässt

  • Kompakte Gebäudeform mit geringer Hüllfläche und guter Dämmung
  • Baustoffe mit geringer Umweltwirkung und dokumentierter Herkunft
  • Sortenreine, rückbaubare Konstruktionen statt verklebter Schichten
  • Erhalt vorhandener Bausubstanz statt Ersatzneubau
  • Regenwasserbewirtschaftung und Begrünung auf dem Grundstück

Häufige Fragen zum nachhaltigen Bauen

Was ist graue Energie?

Graue Energie ist die Energie, die für Herstellung, Transport, Einbau und Entsorgung der Baustoffe aufgewendet wird. Bei energieeffizienten Neubauten erreicht sie einen erheblichen Anteil des gesamten Energieaufwands über den Lebenszyklus.

Ist nachhaltiges Bauen teurer?

Die Investition liegt häufig höher, die Lebenszykluskosten dagegen niedriger. Entscheidend ist, ob ein Bauherr die Betriebs- und Instandhaltungskosten in seine Betrachtung einbezieht.

Lohnt sich eine Zertifizierung?

Für institutionelle Investoren und Bundesbauten ist sie oft Voraussetzung und beeinflusst Finanzierung und Marktwert. Bei kleineren Vorhaben kann die Orientierung an den Kriterien ohne formale Zertifizierung sinnvoller sein.

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