Luftdichtheit bezeichnet die Eigenschaft der Gebäudehülle, unkontrollierten Luftaustausch zwischen innen und außen zu verhindern. Sie ist nicht mit Dampfdichtheit zu verwechseln und steht auch nicht im Widerspruch zu gesundem Raumklima — gelüftet wird kontrolliert über Fenster oder Anlage, nicht über Undichtigkeiten in der Konstruktion. Der Grund ist bauphysikalisch zwingend: Warme, feuchte Raumluft, die durch eine Fuge nach außen strömt, kühlt im Bauteil ab und gibt ihre Feuchtigkeit dort ab.
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Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz
Kontakt035971 504-0 E-MailWarum ist Luftdichtheit wichtig?
Der erste Grund ist der Energieverlust: Durch Fugen entweicht erwärmte Luft ungenutzt. Schwerer wiegt jedoch der Feuchteeintrag in die Konstruktion. Eine Fuge von wenigen Millimetern kann über eine Heizperiode ein Vielfaches der Feuchtemenge in ein Bauteil transportieren, die durch Diffusion durch die gesamte Fläche wandert. Die Folge sind durchfeuchtete Dämmung, Schimmel und im Holzbau Schäden am Tragwerk. Hinzu kommen Zugluft und ein deutlich schlechterer Schallschutz. Wo eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung arbeitet, ist Dichtheit ohnehin Voraussetzung — sonst nimmt die Luft den kürzeren Weg durch die Fuge.
Folgen einer undichten Hülle
- Wärmeverlust durch unkontrolliert entweichende Raumluft
- Feuchteeintrag in die Konstruktion mit Schimmel- und Schadensrisiko
- Zugerscheinungen und geringerer Wohnkomfort
- Schlechterer Schallschutz gegen Außenlärm
- Wirkungsverlust einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Wie läuft der Blower-Door-Test ab?
Ein Gebläse wird luftdicht in eine Außentür eingebaut und erzeugt zwischen innen und außen eine Druckdifferenz von fünfzig Pascal, einmal als Unterdruck und einmal als Überdruck. Gemessen wird, wie viel Luft nachströmen muss, um diese Differenz zu halten. Daraus ergibt sich die Luftwechselrate n50 in Luftwechseln pro Stunde. Das Gebäudeenergiegesetz fordert bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlage höchstens 3,0, mit Anlage höchstens 1,5; der Passivhausstandard verlangt 0,6. Sinnvoll ist eine erste Messung, solange die luftdichte Ebene noch zugänglich ist — dann lassen sich Leckagen mit Nebel oder Anemometer orten und ohne Aufwand schließen.
Wo Leckagen typischerweise auftreten
- Anschlüsse von Fenstern und Außentüren
- Durchdringungen für Leitungen, Rohre und Kabel
- Übergang von Wand zu Dach und an Kehlbalkenlagen
- Steckdosen und Schalterdosen in Außenwänden
- Rollladenkästen und Dachflächenfenster
Häufige Fragen zur Luftdichtheit
Ist ein Blower-Door-Test vorgeschrieben?
Bei Förderungen und beim Effizienzhausnachweis ist er regelmäßig gefordert. Unabhängig davon ist er das einzige Verfahren, mit dem sich die geforderte Dichtheit tatsächlich belegen lässt.
Wann sollte gemessen werden?
Idealerweise zweimal: einmal während des Ausbaus, solange die luftdichte Ebene zugänglich ist, und einmal am fertigen Gebäude als Nachweis. Die frühe Messung spart Nacharbeiten.
Führt hohe Luftdichtheit zu stickiger Raumluft?
Nein, sofern kontrolliert gelüftet wird. Luftdichtheit ersetzt keine Lüftung, sondern macht sie planbar statt zufällig.
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