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Kreislaufgerechtes Bauen – Prinzip & Praxis

Kreislaufgerechtes Bauen verfolgt das Ziel, Baustoffe nach dem Ende ihrer Nutzung nicht zu entsorgen, sondern erneut zu verwenden. Der Hintergrund ist erheblich: Das Bauwesen verursacht einen großen Teil des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland und verbraucht enorme Mengen mineralischer Rohstoffe. Der Ansatz betrachtet ein Gebäude deshalb als Materiallager auf Zeit — als etwas, das eines Tages wieder zerlegt wird. Diese Sichtweise verändert Konstruktion und Materialwahl grundlegend.

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Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz

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Welche Prinzipien hat kreislaufgerechtes Bauen?

Das erste Prinzip ist die Sortenreinheit: Materialien sollten so gefügt werden, dass sie sich später wieder trennen lassen. Verklebte, verschäumte oder untrennbar verbundene Schichten sind das Gegenteil davon — sie werden zu Abfallgemischen. Das zweite Prinzip ist die lösbare Verbindung: Schrauben und Klemmen statt Kleben und Vergießen. Das dritte ist die Dokumentation, denn was später wiederverwendet werden soll, muss bekannt sein. Dafür entsteht der Gebäuderessourcenpass, der Materialien, Mengen und Einbauorte erfasst. Ein viertes Prinzip ist die Anpassungsfähigkeit: Ein Gebäude, das sich umnutzen lässt, bleibt länger im Kreislauf als eines, das abgerissen werden muss.

Die Grundprinzipien

  • Sortenreine Bauteilaufbauten ohne untrennbare Materialgemische
  • Lösbare mechanische Verbindungen statt Kleben und Vergießen
  • Dokumentation aller Materialien im Gebäuderessourcenpass
  • Anpassungsfähige Grundrisse für spätere Nutzungsänderungen
  • Einsatz von Recyclingbaustoffen und wiederverwendeten Bauteilen

Was lässt sich heute schon umsetzen?

Recyclingbeton mit aufbereiteter Gesteinskörnung ist bauaufsichtlich zugelassen und wird zunehmend eingesetzt, teils mit Quoten in kommunalen Vergaben. Bei Trockenbau, Bodenbelägen und abgehängten Decken sind lösbare Systeme bereits Standard und müssen nur bewusst gewählt werden. Auch die Wiederverwendung von Bauteilen aus dem Bestand — Türen, Treppen, Sanitärobjekte, Ziegel — findet über spezialisierte Plattformen statt. Der schwierigste Punkt bleibt die Verbundkonstruktion: Wärmedämmverbundsysteme und geklebte Aufbauten sind kaum trennbar. Wo hohe Kreislauffähigkeit gefordert ist, bieten hinterlüftete Fassaden und mechanisch befestigte Dämmungen die bessere Lösung.

Umsetzbare Maßnahmen

  • Recyclingbeton für Gründung und tragende Bauteile
  • Hinterlüftete Fassaden statt geklebter Verbundsysteme
  • Mechanisch befestigte statt verklebter Dämmungen und Bodenbeläge
  • Wiederverwendung von Bauteilen aus dem eigenen Bestand
  • Führung eines Gebäuderessourcenpasses ab der Planungsphase

Häufige Fragen zum kreislaufgerechten Bauen

Was ist ein Gebäuderessourcenpass?

Ein Dokument, das sämtliche im Gebäude verbauten Materialien mit Menge und Einbauort erfasst. Er macht das Gebäude als künftiges Materiallager auswertbar.

Ist Recyclingbeton gleichwertig?

Für viele Anwendungen ja, er ist bauaufsichtlich zugelassen und normativ geregelt. Der Anteil der rezyklierten Gesteinskörnung ist je nach Expositionsklasse begrenzt.

Wie unterscheidet sich kreislaufgerechtes Bauen von Recycling?

Recycling zerkleinert Material meist zu geringerwertigen Produkten. Kreislaufgerechtes Bauen zielt darauf, Bauteile möglichst in ihrer ursprünglichen Qualität und Funktion wiederzuverwenden.

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