Industriebau bezeichnet die Errichtung von Gebäuden für Produktion, Verarbeitung und Lagerung. Die entscheidende Besonderheit: Nicht das Gebäude gibt die Nutzung vor, sondern der Produktionsprozess bestimmt das Gebäude. Materialfluss, Maschinenaufstellung, Medienversorgung und Logistik werden zuerst geplant, die Hülle folgt daraus. Wer diese Reihenfolge umdreht, baut Hallen, in denen die Abläufe hinterher nicht funktionieren — mit Folgekosten, die die Bauersparnis um ein Vielfaches übersteigen.
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Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz
Kontakt035971 504-0 E-MailWas bestimmt die Planung im Industriebau?
Am Anfang steht die Analyse des Materialflusses: Wo kommt Ware an, welchen Weg nimmt sie durch die Produktion, wo verlässt sie das Gebäude? Daraus ergeben sich Hallenlänge, Toranordnung und die Lage der Verkehrswege. Das Stützenraster folgt der Maschinenaufstellung und den Anforderungen an Krananlagen. Die lichte Höhe ergibt sich aus Regalhöhen, Kranbahnen und Anlagentechnik. Bodenbelastungen sind exakt zu ermitteln, weil Maschinenlasten die üblichen Ansätze im Hochbau deutlich übersteigen. Ebenso früh zu klären ist die Versorgung mit Strom, Druckluft, Wasser und Wärme einschließlich ihrer Trassenführung.
Was vor dem Entwurf feststehen muss
- Materialfluss von der Anlieferung bis zum Versand
- Maschinenaufstellung und daraus folgendes Stützenraster
- Erforderliche lichte Höhe für Regale, Kran- und Anlagentechnik
- Boden- und Punktlasten aus Maschinen und Lagergut
- Bedarf an Strom, Druckluft, Wasser, Wärme und deren Trassen
Welche Konstruktionen sind üblich?
Verbreitet ist die Skelettkonstruktion aus Stahlbetonfertigteilen oder Stahl, ergänzt um Binder, die große Spannweiten stützenfrei überbrücken. Fertigteile bieten hohe Maßgenauigkeit und kurze Montagezeiten, Stahlkonstruktionen ermöglichen besonders große Spannweiten bei geringem Eigengewicht, benötigen jedoch ein Brandschutzkonzept. Die Fassade besteht meist aus Sandwichelementen, die Tragen, Dämmen und Witterungsschutz in einem Bauteil vereinen. Der Industrieboden ist ein eigenes Gewerk mit hohen Anforderungen an Ebenheit und Verschleißfestigkeit. Wichtig ist zudem, Erweiterungen von Anfang an mitzudenken: Eine als Erweiterungsseite freigehaltene Giebelwand spart später erheblichen Aufwand.
Typische Konstruktionsmerkmale
- Skelettbau aus Stahlbetonfertigteilen oder Stahl
- Binder für große stützenfreie Spannweiten
- Sandwichelemente als tragende und dämmende Fassade
- Industrieboden mit hoher Ebenheit und Verschleißfestigkeit
- Freigehaltene Erweiterungsseite für spätere Ausbaustufen
Häufige Fragen zum Industriebau
Welche Spannweiten sind im Industriebau möglich?
Mit Bindern aus Stahlbeton oder Stahl sind stützenfreie Spannweiten von dreißig Metern und mehr üblich. Die wirtschaftliche Grenze ergibt sich aus Konstruktionshöhe und Materialaufwand.
Wie schnell lässt sich eine Produktionshalle errichten?
Mit Fertigteilen ist die Rohbaumontage oft in wenigen Wochen abgeschlossen. Den größeren Zeitanteil beanspruchen Bodenplatte, Technik und Anlageninstallation.
Muss ein Industriebau gedämmt werden?
Beheizte Hallen unterliegen dem Gebäudeenergiegesetz und sind entsprechend zu dämmen. Für Hallen mit sehr geringer Beheizung bestehen abweichende Regelungen.
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