Carbonbeton ist ein Verbundwerkstoff, bei dem die Bewehrung nicht aus Stahl, sondern aus Carbonfasern besteht — meist als Gelege oder Stab eingebaut. Der entscheidende Unterschied: Carbon rostet nicht. Damit entfällt der Hauptgrund für die dicke Betondeckung im klassischen Stahlbeton, die dort ausschließlich dem Korrosionsschutz dient. Die Folge sind erheblich schlankere Bauteile bei gleicher Tragfähigkeit. Entwickelt wurde der Werkstoff maßgeblich in Sachsen, unter anderem an der Technischen Universität Dresden.
Wir unterstützen Sie gerne.
Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz
Kontakt035971 504-0 E-MailWarum ermöglicht Carbonbeton schlankere Bauteile?
Im Stahlbeton bestimmt nicht die Statik die Bauteildicke, sondern der Korrosionsschutz: Der Stahl braucht mehrere Zentimeter Betondeckung, damit Karbonatisierung und Chloride ihn nicht erreichen. Carbonfasern korrodieren nicht, weshalb die Deckung allein noch dem Verbund und dem Brandschutz dienen muss. Dadurch sind Bauteildicken möglich, die im Stahlbeton undenkbar wären — Fassadenplatten von wenigen Zentimetern statt zehn oder mehr. Hinzu kommt die hohe Zugfestigkeit des Materials, die die von Betonstahl deutlich übersteigt. Weniger Beton bedeutet zugleich weniger Zement und damit eine spürbar bessere Bilanz beim Kohlendioxid.
Eigenschaften im Vergleich zum Stahlbeton
- Keine Korrosion und damit deutlich geringere Betondeckung erforderlich
- Höhere Zugfestigkeit als herkömmlicher Betonstahl
- Erheblich schlankere Bauteile bei gleicher Tragfähigkeit
- Geringerer Materialeinsatz und damit weniger gebundenes Kohlendioxid
- Geringes Eigengewicht, günstig für Aufstockungen und Sanierungen
Wo wird Carbonbeton eingesetzt?
Der derzeit größte Anwendungsbereich ist die Verstärkung von Bestandsbauteilen. Eine dünne Carbonbetonschicht auf einer vorhandenen Decke oder Wand erhöht deren Tragfähigkeit, ohne nennenswert Gewicht oder Aufbauhöhe hinzuzufügen — bei Umnutzungen mit höheren Nutzlasten ist das oft die einzige wirtschaftliche Lösung. Daneben werden schlanke Fassadenplatten, Brückenbauteile und einzelne Fertigteile hergestellt. Im breiten Geschosswohnungsbau ist der Werkstoff noch nicht angekommen: Die Materialkosten liegen höher als bei Betonstahl, und Bemessungsregeln sowie Zulassungen sind erst in den letzten Jahren gewachsen. Für spezifische Aufgaben ist er jedoch bereits heute die überlegene Lösung.
Aktuelle Anwendungsbereiche
- Verstärkung vorhandener Decken und Wände bei höheren Nutzlasten
- Schlanke, hinterlüftete Fassadenplatten
- Instandsetzung von Brücken- und Verkehrsbauwerken
- Vorgefertigte Bauteile mit hoher Oberflächenqualität
- Ergänzungen im Bestand, wo zusätzliches Gewicht vermieden werden muss
Häufige Fragen zu Carbonbeton
Ist Carbonbeton teurer als Stahlbeton?
Das Bewehrungsmaterial ist deutlich teurer als Betonstahl. Weil erheblich weniger Beton benötigt wird, kann sich die Bilanz je nach Bauteil dennoch annähern.
Wie verhält sich Carbonbeton im Brandfall?
Carbonfasern verlieren bei hohen Temperaturen an Festigkeit, weshalb der Brandschutz gesondert nachzuweisen ist. Bei tragenden Bauteilen erfolgt das über Zulassungen und Prüfungen.
Ist Carbonbeton bauaufsichtlich zugelassen?
Für definierte Anwendungen liegen Zulassungen und Zustimmungen im Einzelfall vor, insbesondere für die Verstärkung von Bestandsbauteilen. Ein umfassendes Normenwerk wie beim Stahlbeton entsteht derzeit noch.
Wir unterstützen Sie gerne.
Dipl.-Ing. H. Bendl Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG Sebnitz
Kontakt035971 504-0 E-Mail